Mein Heute, dein Morgen.

Vorstellung und Realität unterscheiden sich meistens. Das bedeutet aber nicht, dass die Realität zwangsläufig die schlechtere Alternative wäre.

Viele Filmen und Romanen haben ein zentrales Thema: dieser eine besondere Sommer. Sie erzählen von jener unvergesslichen Zeit, in der man sich voller Verliebtheit und Tatendrang ins nächste Abenteuer stürzt. Vollkommen ungeplant; zwischen Verloren sein und Halt finden. Dieses Gefühl, das danach nichts mehr so ist wie zuvor. Aber irgendwo musste der Mann, der zu einem solchen monumentalen Sommerflirt taugt, im echten Leben doch auch zu finden sein. „Mein Heute, dein Morgen.“ weiterlesen

Das Jahr, das dazwischen kam.

Wo warst du im letzten Jahr?
Hast du überhaupt etwas erlebt?
Und warum hast du eigentlich nicht mehr geschrieben?
Fragen von anderen. Fragen an mich selbst – obwohl ich die Antworten kenne.
Ich hatte Pläne und vergessen, etwas von ihnen zu erwarten.

Schreibblockade. Kreativpause. Ausgebrannt. Viel zu viele Gedanken und trotzdem stumm. Ein leeres Dokument. Kein Wort sollte darin erscheinen, ohne das ich mir sicher war, dass es auch dorthin gehörte.
Es gibt viele Bezeichnungen, um einen einfachen Fakt zu erklären: Ich habe über ein Jahr lang keinen Text fertig geschrieben. Gar keinen. Obwohl es Geschichten gab, die lohnenswert gewesen wären wenigstens eine kleine Plattform zu bekommen. Doch ich habe sie ihnen nicht geboten – vorerst nicht. Weil ich die Ruhe nicht fand, Launen oder Geistesblitze zu ordnen und sie zu einem Ende zu führen. Weil ich den Abschluss dieser einen Geschichte erst finden musste und der Schlussstrich, den ich dafür dringend brauchte, noch fehlte. Eine Geschichte kann man erst dann allumfassend erzählen, wenn man deren Ende kennt. Doch ich trage seitdem zu viele nicht zu Ende geführte Anfänge mit mir herum. Nur wo sollte ich etwas finden, ohne zu wissen, wonach ich genau suchte? „Das Jahr, das dazwischen kam.“ weiterlesen

Lieber archivieren.

Es war einer der heißesten Tage dieses Sommers, das hatte uns jedoch nicht von unserem Waldspaziergang abgehalten. Ausgerüstet mit Wasserflaschen fanden wir zwischen Moos und Baumwipfeln Schatten und es gab keinen besseren Ort, um ein kleines Bisschen mehr von ihm kennenzulernen. Am Ende saßen wir auf der alten Decke im Kofferraum seines Autos und erzählten uns Geheimnisse, die sonst nur wenige von uns wussten. Mit ihm erschien es mir so leicht, ehrlich zu sein. Ich hörte ihm gerne zu, wie er von Dingen erzählte, die ihm durch den Kopf gingen – obwohl wir nicht immer einer Meinung waren. Zum Beispiel darüber, ob Begegnungen mit Menschen immer etwas verändern sollten.
„Ist das nicht eigentlich egal?“, fragte er mich schließlich, „Wenn es nicht mehr passt, trennen sich die Wege eben.“
„Aber schade ist es trotzdem“, beharrte ich, „Es wäre doch schön, im Leben des anderen auch im Nachhinein etwas bedeutet zu haben.“
„Weiß nicht. Ich glaube, das wäre mir egal.“
„Du gehst also einfach?“ „Lieber archivieren.“ weiterlesen